Walpurgisnacht oder: Tanz in den Mai

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai machten sich die Hexen auf zu einem großen Fest auf dem Blocksberg. Wie auf dem Brocken feiert man auch an anderen, eigentlich erhöhten Orten die Teufelsverehrung: Gewaltige Feuer wurden entfacht, deren Schein weithin zu sehen war. Die Hexen sprangen und tanzten um das Feuer, ritten auf ihren Hexenbesen und führten den anderen Zauberkünste vor. Es war das Jahresevent eines weltumspannenden Netzwerkes.

 

Dabei war Walpurga eigentlich eine Nonne im England des 8. Jahrhunderts. Eine Heilige, deren Festtag am 1. Mai gefeiert wurde. Auch Normalsterbliche, die weder Hexen noch Heilige waren, feierten mit: Während im Dorf um den Maibaum getanzt und Höfe durch lautes Peitschenknallen geschützt wurden, rutschten junge Mädchen mit nackten Geschlechtsteilen über die Brautsteine im Wendland, um sich ihren Liebhaber zu wünschen und junge Männer stellten ihrer Liebsten in abenteuerlichen Kletteraktionen eine Birke in den Schornstein. Manches davon ist im traditionellen Tanz in den Mai erhalten geblieben.

 

Auch in Berlin feierte man die Walpurgisnacht mit großen Feuern. Mülleimer und Autos wurden in Brand gesteckt, Polizei und Krawallmacher tanzten drum herum und bewarfen sich mit Pflastersteinen oder Tränengas. Neonazis und Autonome führten Kriegsspiele auf. Das Volk schaute zu und feierte das Event mit viel Bier aus Glasflaschen, die es nach dem Austrinken in die Menge schleuderte. Anstelle des nächtlichen Peitschknallens krachten in Kreuzberg die Fensterscheiben von Banken und Supermärkten. Vieles davon hat sich auch in diesem Jahr in Berlin erhalten, nur weniger ausgelassen als in den Vorjahren. Manche hielten sich an das ausgesprochene Flaschenverbot und tranken ihr Bier aus Plastikbechern, die in die Menge zu schleudern weitgehend folgenlos blieb. Rechte und Linke, die zu ihren Kriegsspielen aufmarschierten, wurden von der Polizei zu getrennten Veranstaltungsorten geleitet. Es soll sogar Polizisten und Feiernde gegeben haben, die miteinander plauderten anstatt aufeinander einzuschlagen. Die Polizei ging gezielter, umsichtiger und erfolgreicher vor, indem sie die Krawallkids frühzeitig aus dem Verkehr zog und so den Aufführungen früherer Jahre neue Regeln verpasste. Ein Regenguss zur rechten Zeit kühlte wohltuend die erhitzten Gemüter und ließ manche Teilnehmer des Events frühzeitig nach Hause gehen.

 

Fazit: Es war ein Tanz in den Mai, wie man ihn in Berlin nicht mehr kannte - nur 32 Haftbefehle und eine neue Bedeutung als „Gedenktag an den 1. Frieden von Kreuzberg“.

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