Die Hugenotten und der Große Kurfürst

Verheerend: der Dreißigjährige Krieg

Zwischen 1618 und 1648 tobte der Dreißigjährige Krieg, der auch für Berlin verheerende Folgen hatte: Die Bevölkerungszahl ging auf die Hälfte zurück und ein Drittel der Berliner Häuser wurde beschädigt. Mitten in diesen Wirren wurde Friedrich Wilhelm geboren, der später der Große Kurfürst genannt werden sollte. Bis er 14 Jahre alt war, verbrachte er sein Leben mit seinem Erzieher und Lehrer Leuchtmar hinter den sicheren Mauern der Festung Küstrin. Sprachen, Religion und „körperliche Schulung“ waren seine Hauptfächer. Als seine Heimat von immer grausamer agierenden Truppen verwüstet wurde, schickte man ihn in die Niederlande, die als sicher galten. Bei seiner Rückkehr nach Berlin 1638 fand er eine zerstörte Provinz vor. Zwei Jahre später trat er das Erbe seines verstorbenen Vaters an und wurde als Kurfürst von Brandenburg und Herzog von Preußen Herrscher eines weit verstreuten Gebietes mit vollkommen zerrütteten Staatsfinanzen.

Gesegnete Hochzeit

Er heiratete Luise Henriette von Oranien, die ihm eine üppige Mitgift von Bargeld und Schmuck im Wert von 180.000 Reichstalern einbrachte und das Land mit modernen Techniken und Produktionsmethoden versorgte, die holländische Künstler, Handwerker, Baumeister, Landwirte und Kaufleute in Luises Gefolge mitbrachten. In der Mark Brandenburg sprach man bald von einer „Verholländerung“.

Alles auf französisch

Friedrich Wilhelm verfolgte eine Politik der Immigration und der religiösen Toleranz. Ab 1685 lud er die verfolgten französischen Hugenotten nach Brandenburg ein. 15.000 kamen und 6000 ließen sich in Berlin nieder. Wenige Jahre später waren 20% der Berliner Einwohner Franzosen, die auf Berlin einen großen kulturellen Einfluss ausübten, der bis heute spürbar ist. Nicht nur der Französische Dom erinnert an die Hugenotten, auch im Berliner Dialekt werden bis heute Wörter verwendet, die auf die Hugenotten ( und die Besetzung der Stadt durch französische Truppen zu Beginn des 19. Jahrhunderts) zurückgehen. So wurde die Boutique (das Ladengeschäft) zur Budike, pleurer (weinen) zu plärren, avec force (kraftvoll) zu forsch und der mocca faux (falscher Kaffee) zu Muckefuck. Und für den sehr berlinerischen Ausdruck „Fisimatenten“ (leere Ausflüchte, unüberlegtes Tun) gibt es mehrere mögliche Ableitungen: Wenn Soldaten zu spät in ihr Quartier zurückkehrten, behaupteten sie gerne: j'ai visité ma tante (ich habe meine Tante besucht) was allzuschnell als durchschaubare Ausrede entlarvt wurde. Und wenn heute noch Mütter ihre Töchter ermahnen, keine Fisimatenten zu machen, dann verbieten sie ihnen, Einladungen zu folgen: mit „visitez ma tente“ (besuchen Sie mein Zelt) haben die französischen Soldaten junge Mädchen zum Tête-à-tête eingeladen...

Aufsteig der Hohenzollern

Der Große Kurfürst regierte entschlossen und reformfreudig und ebnete dem Haus Hohenzollern den Weg zu einem der führenden deutschen Herrschaftshäuser. Mit ihm begann der Aufstieg Brandenburg-Preußens zur Großmacht und unter seiner Herrschaft entstanden in Berlin die großen Stadterweiterungen mit den Vorstädten Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt.

Wo ER zu finden ist

Übrigens: nicht nur in Berlin und Potsdam gedenkt man dem Großen Kurfürsten. Auch in der Walhalla, in Minden, Kleve, Emden, Genf und vielen weiteren Städten wird Friedrich Wilhelm mit zahlreichen Statuen und Büsten geehrt. In Berlin finden Sie ihn unter anderem im Schlosshof von Charlottenburg und in der Zitadelle Spandau.