Das Nikolaiviertel

neu und alt: Nikolaiviertel und Nikolaikirche

Die Urzelle der Stadt – hier finden wir sie: im Nikolaiviertel in Berlin-Mitte. Eine Handelsstraße, die hier die Spree kreuzte, brachte im Mittelalter einige Durchziehende dazu, sich an diesem „Verkehrsknotenpunkt“ niederzulassen und eine Siedlung zu gründen. Schon um 1200 hatten sie ihre erste Kirche gebaut, die romanische Feldstein-Basilika Sankt Nikolai, die dem heutigen Viertel den Namen gab. Die Siedler waren so erfolgreich, dass gleich zwei Städte entstanden: Berlin, die etwas größere auf der Ostseite und Cölln auf einer Insel in der Spre, die beide bedeutend genug waren, ihnen um 1230 die Stadtrechte zu verleihen. Der Mühlendamm verband sie wie ein Ehering – sie wuchsen bald zusammen und vereinigten sich 1307 zur Doppelstadt Berlin-Cölln. Im 15. Jahrhundert wählte der brandenburgische Kurfürst Johann Cicero die inzwischen zu einem herausragenden Handelsplatz gewachsene Stadt zu seiner ständigen Residenz. Während Berlin immer weiter über seine Grenzen hinauswuchs, veränderte sich das Nikolaiviertel kaum. Vorwiegend Handwerker harrten aus in den verwinkelten Gassen, die ihnen bescheidenen Wohn- und Arbeitsraum boten.

 

Als der Bombenhagel im zweiten Weltkrieg auf Berlin niederging, zerstört er auch das Nikolaiviertel. Die kümmerlichen Überreste und einige weniger zerstörte Bauwerke wurden danach abgerissen und das Gelände seinem Schicksal überlassen. Erst in den Vorbereitungen für die 750-Jahr-Feier in Ostberlin 1987 erinnerten sich die Planer an ihre historischen Wurzeln, schätzten ihren Wert neu ein und entwarfen Pläne für neue Gebäude, Straßen und Plätze, die wie Phönix aus der Asche ein neues altes und vor allem attraktives und touristisch interessantes Nikolaiviertel entstehen lassen sollten. Pünktlich zum Jubiläum war es fertig: eine etwas diffuse Mischung aus wenigen restaurierten Häusern, aus Neubauten mit historisierenden Fassaden und solchen in einer angepassten Plattenbauweise. Einige besonders bekannte Gebäude entstanden als Kopien zum Teil an anderen als ihren historischen Standorten. Dazu gehört das Stammgasthaus des Urberliners Heinrich Zille „Zum Nussbaum“ oder die Gerichtslaube des historischen Rathauses. Besonders spannend ging es um das Ephraim-Palais zu. An dessen Standort planten die Nazis im 3. Reich den Bau eines Gauforums und brachen es ab, lagerten aber die historischen Fassaden und einige andere Bauteile im Wedding ein, wo sie den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden. Für den Wiederaufbau tauschte Westberlin das Palais ein und erhielt im Gegenzug aus Ostberlin das Archiv der Königlichen Porzellanmanufaktur. Das Ephraim-Palais ist somit das einzige Gebäude im Nikolaiviertel mit original historischen Bauteilen. Und: der Stadtgrundriss ist weitgehend der alte geblieben und nach alten Vorbildern sind auch seine Gassen gepflastert.

 

Das Konzept der Planer ist aufgegangen. Das Nikolaiviertel ist tatsächlich zu einer touristischen Attraktion geworden. Was die DDR-Architekten an „historischen“ Gebäuden hervorbrachten, ist interessant zu sehen – und wenn Sie mehr darüber wissen wollen, empfehlen wir Ihnen

 

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