Die Kanzler-U-Bahn - kurz und kurios

Einzigartig ist die U-Bahn-Linie 55 vom Berliner Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor. Sie ist mit 1,8 Kilometern und 3 Stationen die kürzeste U-Bahn-Linie Berlins und sie hat keinerlei Verbindung zum übrigen U-Bahnnetz der Hauptstadt.

 

Gebaut wurde sie auf Betreiben der Bundesregierung unter Bundeskanzlers Helmut Kohl, die den Bau im Hauptstadtvertrag festlegte. Pläne dafür gab es allerdings schon in den 1950er Jahren. Diese sahen eine Linie vor, die den Prachtboulevard Unter den Linden, das Brandenburger Tor und den Alexanderplatz mit dem Flughafen Tegel verbinden sollten. Eine Vereinbarung zur Finanzierung wurde im Zuge der Wiedervereinigung jedoch nur für den Abschnitt zwischen dem neuen Hauptbahnhof und Alexanderplatz getroffen. Grund genug für wütende Proteste, verläuft doch parallel zu diesem Stück auch die S-Bahn im Minutentakt. Warum also angesichts chronisch leerer Kassen die projektierten 700 Mio Euro im Boden versenken? 2001 stoppte der Berliner Senat das Projekt dann auch aus finanziellen Gründen.

 

Der Baustopp führte zu großartigen Möglichkeiten für die „Untergrund-Kultur“ Berlins: der im Rohbau fertiggestellte U-Bahnhof Bundestag wurde zur Location für Ausstellungen, Theateraufführungen, Partys und Filmkulissen. Doch dann drohte der Bund, seinen bereits geleisteten Anteil an der Finanzierung der U-Bahn-Linie zurückzufordern und zwang den Senat damit zum Umdenken. Aus der projektierten Streckenführung wurde das fast fertige Kurzstück Hauptbahnhof – Brandenburger Tor herausgelöst und sollte nun als Mini-U-Bahn betrieben werden. Die Fertigstellung der gesamten Linie bis zum Alexanderplatz ist bis 2017 geplant.

 

Im August 2009 wurde der kurze Abschnitt endlich eröffnet – wie immer mit einem kostenlosen Neugier-Besucher-Tag. Seitdem fährt ein Pendelzug im 10-Minuten Takt zwischen Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor. Fahrzeit pro Fahrt: zweieinhalb Minuten. Die restlichen zweieinhalb Minuten bis zur Rückfahrt braucht der Fahrer, um zu Fuß von einem Zugende zum anderen zu wechseln.

 

Morgens um 8 ist es ruhig in der Kanzler-Linie. Während sich die Fahrgäste in allen anderen öffentlichen Verkehrsmitteln um diese Zeit dicht gedrängt die Füße in den Bauch stehen, gibt es in hier ausreichend Sitzplätze für alle. Die Mitfahrenden sind zumeist Angestellte im Regierungsviertel oder im Hauptbahnhof. Ab 9 Uhr steigen fast nur noch Touristen ein. Sie finden die schnelle Verbindung vom Bahnhof zum Brandenburger Tor recht praktisch, jedenfalls, wenn sie schon kennen, was dazwischen liegt: Bundeskanzleramt, Reichstag, Paul-Löbe-Haus, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und das Spreeufer mit dem Spreebogenpark.

 

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