Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Als im Mai 2005 das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eingeweiht wurde, ahnte noch niemand, welche Erfolgsgeschichte es in den nun 7 Jahren seines Bestehens erleben würde.

Als im Mai 2005 das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eingeweiht wurde, ahnte noch niemand, welche Erfolgsgeschichte es nach 5 Jahren und 2,3 Millionen Besuchern erleben würde.

 

Trotz heftiger kontroverser Diskussionen während der Planung und noch in der Bauphase ist das Denkmal längst im Berliner und im touristischen Stadtleben angekommen. Einen Ort, „zu dem den man gerne hingeht“ wünschte sich Gerhard Schröder, und genau das ist eingetreten. Meist junge Leute sitzen auf dem, was sie meistens Steine nennen und machen eine Pause im Besucherprogramm. Zwischen den Stelen wird fotografiert und manchmal Verstecken gespielt. Die Besucher spazieren nur hinter-, nicht nebeneinander, das lässt der Raum zwischen den Stelen nicht zu. Viele werden nachdenklich, spüren ein Stück Verlorenheit in den endlosen Reihen der zum Teil weit übermannshohen Stelen. Hoffnung vermittelt zwischen dem Grau des Betons der an Grabsteine erinnernden Stelen das Grün von 41 Bäumen, die das Areal umgeben. Es wird ruhiger in den gewellten Tiefen des unter das Gehwegniveau reichenden Denkmals, aber der Ausblick auf die umgebende Stadt, auf die amerikanische Botschaft  oder die Akademie der Künste vermittelt Auswege. Tiefe Betroffenheit hinterlässt der Ort der Information unter dem Stelenfeld, eine halbe Millionen Besucher jährlich verfolgen die individuellen Schicksale ermordeter Juden. Die 2711 Stelen lassen viele Deutungen offen und vielleicht lassen sie einst zu, dem größten und unfassbarsten Verbrechen der Menschheit zu gedenken, ohne immer noch eine vererbte Schuld zu spüren. Der oft unbefangene Umgang der jungen Touristen mit den Stelen lässt darauf hoffen.

Wirkliche Verlorenheit kann man auch im Holocaust-Turm im Jüdischen Museum fühlen. Dessen hohe nackte Wände umschließen einen kalten und dunklen Raum, der nur durch einen Spalt in der Decke Tageslicht erhält und eine beklemmende Ahnung von Angst hervorruft. 

 

Barbara Bettenwort

 

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