Der „Schiefe Fritz“ oder: Reputation! Prestige!

Kurfürst Friedrich III (1688-1713), wie er offiziell und staatstragend hieß, musste auch mit dem despektierlichen Namen „der schiefe Fritz“ leben. Seine Amme hatte ihn als Säugling so unglücklich fallen lassen, dass er zeitlebens eine verkrüppelte Schulter behielt. Vielleicht strebte er deshalb besonders ehrgeizig nach Reputation und Prestige. Es muss für ihn unerträglich gewesen sein, dass seine kurfürstlichen Nachbarn von Sachsen und Hannover zugleich die ranghöheren Posten eines Königs bzw. eines Anwärters auf den Königstitel innehatten (der Kurfürst von Sachsen war König von Polen und der Kurfürst von Hannover Anwärter auf den englischen Thron). Hartnäckig verfolgte er die Idee, das Herzogtum Preußen zum Königreich zu erheben. Kaiser Leopold I stimmte 1701 schließlich zu und ließ sich seine Einwilligung bestens bezahlen: 2 Mio Dukaten und die „Vermietung“ von 8000 Soldaten für die Kriege des Kaisers waren überzeugend genug. Interessant zu wissen: 2 Mio Dukaten würden gemessen an ihrem Goldwert heute etwa 150 Mio Euro entsprechen. Kurfürst Friedrich III krönte sich in Königsberg eigenhändig zum König in Preußen. Zum König in Preußen, nicht zum König von Preußen, denn sein Herrschaftsanspruch erstreckte sich nicht auf das gesamte preußische Gebiet, dessen östliche Hälfte zu Polen gehörte. Das neue Königreich war für die Nachbarländer keine wirklich ernstzunehmende Macht, wie der respektlose Durchmarsch von Truppen aus Sachsen, Polen und Russland deutlich zeigte. Indessen konzentrierte sich der König auf eine aufwändige Hofhaltung nach französischem Vorbild und brachte seinen Staat an den Rand des finanziellen Ruins. Zielstrebig baute er Berlin zu einer Residenzstadt von europäischem Rang aus. Das Stadtschloss in Berlin wurde zum bedeutendsten Profanbau des protestantischen Barocks. Um die kostspieligen Aufwendungen für den Prunk zu bestreiten, vermietete Friedrich weitere Soldaten an Leopold und erfand neue Steuern, z.B. auf Karosserien und auf Perücken. Als Konig Friedrich I 1713 starb, hinterließ er seinem Sohn und Nachfolger, dem Soldatenkönig, einen Schuldenberg von 20 Mio. Talern.